“Kind 2. Klasse”

BlattEin bisschen stehe ich derzeit mit den GynäkologInnen auf Kriegsfuß. Nun musste ich in der neuen Stadt wieder jemand neuen suchen, wechselte nochmal und bin jetzt vom Regen in der Traufe. Der oben genannte Spruch kommt vom aktuellen – als Reaktion darauf, dass ich keinen 3D-Ultraschall machen will. Beim ersten Kind haben wir den in der Feindiagnostik “geschenkt” bekommen. Ich fand es nicht besonders toll, da so ein “Matschekind” zu sehen. Deshalb hab ich persönlich kein Bedürfnis, das zu wiederholen. Allerdings brachte mich der Vorwurf dazu – nach einger Empörung über miese Verkaufstricks von Ärzten – als Mutter von demnächst 2 Kindern mal genauer zu überlegen, wie unterschiedlich ich meine Kinder wohl behandle. Denn, das alles genau gleich sein wird ist ja schon faktisch nicht möglich.

Schon am Anfang der Schwangerschaft stand der Wunsch, etwas besonders zur Geburt des 2. Kindes anzufertigen. Die Decke ist ein Projekt, das mich die gesamte Schwangerschaft begleitet, mir regelmäßig Aufmerksamkeit ganz speziell für dieses Kind beschert. Es sollte mein Mittel sein, diese Schwangerschaft bewusster zu erleben, weil ich Befürchtung hatte, dass sie im Alltag mit Kind, Mann, Homeoffice, Trauerfallbearbeitung und Zukunfstängstenplanung untergehen könnte.

Das 2. Kind wird wohl viel Kleidung des 1. auftragen, in ihrem Babybett schlafen, keinen neuen Wickeltisch und keine neuen Schlafsäcke bekommen. Vor allem materiell ist einfach schon viel da: Klamotten, Spielzeug, Möbel, die in 2. Hand genutzt werden. Und auch Kind 1 hat die Sachen nicht alle neu bekommen, sondern viele waren Second Hand oder geliehen. Das Nähen hab ich erst in der Babyzeit mit Kind 1 angefangen. Auch wenn schon so viele Klamöttchen da sind, werde ich wohl nicht widerstehen können, Kind 2 mit Selbstgemachtem auszustatten. Außerdem wird wohl netto weniger Zeit und Aufmerksamkeit meinerseits da sein können, weil es einfach noch das 1. Kind gibt.

Was mich aber wirklich wütend machte, war die Unterstellung, meinem 2. Kind bewusst Dinge vorzuenthalten (weil ich knauserig bin). Diese Geschäftemacherei mit Babys, und dem besten und dem teuersten und tollsten bin ich so satt. Das 2. Kind wird von ganz anderen Sachen profitieren. Es hat eine große Schwester, einen Menschen mehr, den es lieben kann, von dem es lernen kann, mit dem es spielen kann. Es hat Eltern, die nicht mehr jeden Anfängerfehler machen; die wissen, was auf sie zukommt, entspannter und gelassener sind (hoffentlich!). Es kommt in eine Umgebung, die bereits auf Kinder eingestellt ist und nicht mühsam alles erarbeiten und erlernen muss. Na klar, wird es auch ein bisschen “nebenbei” groß werden, aber ist das ein Nachteil? Diese totale Fixierung auf dieses eine Baby im Haushalt, an dem alle Bedürfnisse und Handlungen ausgerichtet werden, ist doch anstrengend – für das Baby wie für die Eltern. Je länger ich drüber nachdachte, desto mehr kam ich zu der Erkenntnis, dass das 2. Kind in so vielen Sachen davon profitieren wird, zweite und nicht erste zu sein. Dass es so sogar so weit ist, dass einem die Erstgeborene manchmal leid tun könnte, wie Melanie so schön auf Gluecklichscheitern schreibt. 

Bei einem bin ich mir so absolut sicher: Es ist mehr als genug Liebe für 2 Kinder da. 3-D Ultraschall hin oder her.

 

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Vom Eingewöhnen.

Diesen Text habe ich im August geschrieben. Vor kurzem bin ich auf dieses tolle Blog gestossen, das gerade eine Serien zur Kooperation von (Klein-)Kindern veröffentlicht hat. Das passte irgendwie und ist überhaupt so erhellend und schön geschrieben. Danke. 

KindergartenmädchenWir sind ja nun echte Profis, was die Eingewöhnung des Kindes in Kindertagesanstalten angeht. Nun also die 3. in 2 Jahren. (Die erste mit 15 Monaten, die 2. umzugsbedingt mit 25 Monaten und nun der Übergang in den Kindergarten, weil wir einen Platz in einer „Nur-Krippe“ hatten). Da auch die beiden ersten Eingewöhnungen ziemlich gut geklappt hatten, machte ich mir fast keine Sorgen, dass das Kind auch diesmal schnell ankommen würde. Fast nicht – weil sie ja nun doch älter ist, mehr erinnert, die Bindung an die Erzieherinnen schon sehr stark war und überhaupt alles sehr toll in dieser Krippe. (Letzteres dann wohl eher meine eigene Trennungsangst…) Jedenfalls klappte alles ganz prima. Am Montag schickte sie mich nach einer knappen Stunde nach Hause und machte ein Riesen-Theater als ich sie um halb 1 schon wieder abholte. Sie verhandelte sich jeden Tag eine Stunde mehr und flippte trotzdem jeden Nachmittag aus, dass ich sie abholte. Puh.

Als sie am Mittwoch nach einem hässlichen Nachhauseweg voller Widerstand, Nölen, Forderungen, Neins und einem kurzen Ausflipper meinerseits zu Hause plötzlich total ruhig mit ihren Playmobil-Männchen spielte, ging mir ein Licht auf. Sie hat zwar einen großen Spaß im Kindergarten, aber es ist einfach wahnsinnig anstrengend. Sie ist unglaublich anpassungsfähig, empathisch und stellt sich auf neue Situationen ein. Sie sucht den Kontakt und lässt sich voll drauf ein. Aber das fordert eben einen Tribut. Dafür bin ich dann nachmittags das Ventil, der sichere Hafen, wo sie ausflippen kann. Wenn es nur das ist, kann ich damit leben.