ET+12 oder ein Geburtsbericht

Annette+JohannaIch denke viel an diese Geburt und immer wenn ich es tue, bin ich glücklich bis euphorisch. Zuallererst: Sie hat sich von alleine auf den Weg gemacht! Ich bin so stolz auf diesen Körper und dankbar, dass mein Misstrauen ihm gegenüber letztendlich unbegründet war.

Also, wir hatten uns nun am Sonntagabend damit abgefunden, dass es nun die Einleitung wird, satt mit Warterei. Das Kind (also das große ;-)) und ich hatten am Samstag noch mal Plätzchen gebacken, am Sonntag waren Freunde zum Frühstück da und wir haben die letzten Erledigungen in der Wohnung für meine Mutter gemacht. Der Mann hatte Urlaub, alles war geplant. Und dann legte das Kind (also das kleine) einfach so um 3 Uhr mit Wehen los. Erst dachte ich noch, es könnten Blähungen sein, die mich schon ein paar Tage quälten, aber sie kamen regelmäßig. Also stand ich nach 3 oder 4 Wehen auf und aß erstmal eine Schlüssel Müsli. Es waren keine starken Wehen, etwa wie Mens-Schmerzen, aber sie kamen in 4-6 Minuten Abständen. Und da die zweiten ja oft schneller kommen, dachte, ich wir fangen mal an zu organisieren: Mann geweckt, Babysitter angerufen. Meine Tante ging nicht ans Telefon. Es brauchte 3 Versuche, weil sie natürlich genau in dieser Nacht das Telefon nicht am Bett hatte, weil wir alle davon ausgingen, die Show sei gelaufen. Das große Kind war in der Zwischenzeit natürlich wach geworden, aber lungerte müde in unserem Bett rum. Sie wanderte dann friedlich mit meiner Tante in ihr Bett und wir machten uns auf zum Krankenhaus, mittlerweile musste es nach 4 Uhr sein. Der Weg war so kurz, dass ich noch nicht mal eine Wehe im Auto veratmen musste.

Im Kreißsaal wurden wir von einer etwas müden Hebamme begrüßt und in einen Kreißsaal gebracht. Ohne Wanne. Aber ich sah die Tür zu dem Kreißsaal mit Wanne aufstehen und sagte, dass ich gerne in die Wanne wollte. Nichtsdestotrotz schickte sie uns in den anderen, kam aber ein paar Minuten später wieder und sagte, sie zieht noch ein neues Laken auf und dann können wir in diesen. Yippiehyay. Es wurde ein CTG geschrieben, während ich auf der Bettkante die Wehen veratmete und der Mann mit Kaffee versorgt wurde. Dann kriegte ich noch einen Ultraschall – die Ärztin schallte 3500g mit der Ansage, sie schalle eher zu wenig als zu viel. Die Untersuchung des Mutermundes sagte so 1,5cm. Also, eher keine schnelle Geburt… Wir sollten noch ein bisschen rumlaufen, wohl um den Schichtwechsel um 6h zu vereinfachen. Nach dem Weg in die Notaufnahme, um uns richtig anzumelden, hatte ich aber keine Lust, da ich die Wehen am besten im Sitzen aushalten konnte. Also wurde die Wanne eingelassen. Nach dem Schichtwechsel betreute uns eine jüngere, sehr sympathisch wirkende Hebamme. Nebenan vertönte eine Frau sehr laut ihre Wehen.

Bald saß ich in der Wanne, atmete, entspannte, atmete, ließ mir von Mann Wasser reichen und Bonbons organisieren.  Ich hatte ein Tuch zum festhalten. Die Wehen wurden langsam stärker, aber ich hatte irgendwie das Zeitgefühl verloren. So um 8 meinte die Hebamme, die viel bei der laut vertönenden Frau war, dass da wohl bald ein Baby da sei und sie dann mehr Zeit für uns hätte. Ich fand es nicht schlimm, denn mein Körper sagte mir, was ich machen musste und ich hatte das Gefühl, es gut aushalten zu können. Also, schön ist was anderes, aber es war ok, ich hatte das Gefühl zu arbeiten und voranzukommen. Irgendwann platzte die Fruchtblase, sehr merkwürdiges Gefühl, immer wieder Wasser zu verlieren. Dann wurde der Druck nach unten hin stärker, was vor allem hieß, dass ich in den Wehenpausen weiterhin Schmerzen hatte.

Gegen 9 untersuchte mich die Hebamme. 4cm. Oh Mann, was für eine Enttäuschung nach 6 Stunden Arbeit. Aber die Hebamme sprach mir Mut zu, dass alles gut voran ginge. Bald wurden sie Wehen auch stärker und ich könnte nicht mehr im Sitzen veratmen. Ich knie und hing im Seil, wel auch meine Finger mittlerweile kaum noch Kraft zum festhalten hatten. Die Wehen wurden wieder stärker und irgendwann fragte ich, wann der richtige Zeitpunkt sei, nach der PDA zu fragen, weil ich das Gefühl hatte, es zog sich alles ewig. Sie meinte, wenn Frauen das fragten, dann dauere es meist nicht mehr lang. Und bald hatte ich auch so was wie eine erste Presswehe. Zwei Wehen später kam wieder eine, da war die Hebamme dabei und fragte, seit wann das so sei. Sie bereite also alles vor, das sah wirklich nach Fortschritt aus – endlich. Wir sollten Bescheid sagen, wenn Druck auf den Po käme. Und dann wurde es plötzlich schnell ernst. Ich musste mich hinstellen, knien ging auch nicht mehr und der Mann sollte Bescheid sagen. Am Rande kriegte ich mit, wie offensichtlich eine Ablösung unserer Hebamme organisiert wurde, weil es bei der anderen Frau wohl auch jetzt erst ernst wurde (die tat mir echt leid, war seit 6 Uhr oder so am laut vertönen). Die Wanne wurde abgelassen und ich rutschte kurz. Die neue Hebamme handelte schnell und holte mich aus der Wanne auf eine Matte und hängte mich an den Mann. (Im nachhinein sicherlich ganz praktisch so, denn das Wasser in der Wanne war inzwischen kalt, da hätte das Baby bestimmt einen Schock bekommen. Mir hatte das nichts ausgemacht, weil ich so am Schwitzen war).

Da war ich dann, mitten im Geburtsvorgang, ich spürte die Dehnung durch das Köpfchen. Das tat scheißeweh, aber gleichzeitig war das Ziel zum Greifen so nah. Ich presste was das Zeug hielt. Die Hebamme forderte mich auf nach dem Köpfchen zu greifen, aber ich musste mich so konzentrieren, dass ich das ausschlug. Der Mann ächzte als Stütze, jetzt musste er auch ein bisschen mitarbeiten. Ich presste und feuerte mich selbst an: „Jetzt aber.“ Dann wartete ich auf eine Wehe, die aber nicht kam und versuchte alleine da rum zu pressen, was aber nicht so gut funktionierte. Aber dann, mit der nächsten Wehe war das Köpfchen da. Puh. „Es will schon schreien, aber jetzt noch die Schultern,“ sagte die Hebamme. Da zog es noch einmal heftig und dann wurde mir ein Kind zwischen meinen Beinen durchgereicht.

Wow. Dieser Moment, dieses Gefühl, dass es geschafft ist, dass ich mein Kind in den Armen halte, unglaublich. Wir wurden auf das Bett verfrachtet. Kurz kam es etwas Hektik auf, weil ich wohl noch stärker blutete und eine Oxytocin-Spritze im Raum, aber dann ging es wohl. Dafür begann nun das Kind zu schreien. Ausgiebig musste sie ihren Unmut über diese dann doch schnelle Geburt kundtun, etwa eine halbe Stunde lang war sie unberuhigbar. Der Mann und ich schauten uns an und hatten ein bisschen Angst, dass wir nun ein Schreikind mit nach Hause nehmen. Aber dann beruhigte sie sich doch, wir legten an. Wir bekamen was zu Essen, ich duschte noch und ein bissl Papierkram stand noch an. Die Ärztin für die U1 lies sich Zeit, aber es war klar unser Kreißsaal würde gebraucht. Es war immerhin der mit Geburtswanne und seit wir auf dem Bett lagen, hatte es bestimmt schon 3 Mal am Kreißsaal geklingelt. Auf dem Weg nach Hause besuchten wir noch kurz eine Mitteilnehmerin meines Geburtsvorbereitungskurses, die nach Kaiserschnitt noch auf der Station lag. Da war ich so froh, mich für eine ambulante Geburt entschieden zu haben, weil die Zimmer echt klein und ein bisschen muffig waren. Um 15.30 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Ich bin so dankbar und glücklich für so vieles an dieser Geburt: Dafür, dass es alleine losging; dass die 9 Stunden Wehen ok für mich waren, die meiste Zeit zumindest; dass ich in die Badewanne konnte; dass mein Körper mich dadurch geleitet hat; dass ich selbstbestimmt, ohne Intervention dieses Kind bekommen konnte; dass der Mann sich diesmal nicht so hilflos gefühlt hat; dass ich diese Geburt bei vollem Bewusstsein erlebt habe; dass es sich wahnsinnig gut anfühlt, diese Leistung, diese Kraft aufgebracht zu haben;  dass ich meinem Körper vertrauen kann und dass wir beide gesund und unversehrt sofort nach Hause gehen konnten.

Und hier noch die “Fakten”:

Datum: 22.2.2016 | Zeit: 11:47h | Gewicht: 3620g | Größe: 53 cm | Kopfumfang: 35 cm 

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