4 Jahre

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Ich habe es leider nicht pünktlich zu Deinem Geburtstag geschafft, diesen Text zu verfassen, wie auch Dein Geburtstag insgesamt etwas zu kurz gekommen ist – in der Osterwoche, im Wochenbett. Leider hast Du es auch noch nicht geschafft, im Kindergarten Deinen Geburtstag zu feiern, weil ich es am Dienstag nach Ostern nicht geschafft hab, alles vorzubereiten, dann ein anderes Kind Geburtstag feierte und nun hast Du Scharlach. Auch deine Party steht noch aus, weil wir das nicht in den Ferien machen wollten. Nun aber zurück zu Deinem 4.Lebensjahr. 4!

Groß bist Du geworden, kein Kleinkind mehr, sondern jemand, mit dem man sich unterhalten kann, der Witz hat und ganz viele eigene Ideen. Du bist nun ein Kindergartenkind und auch noch große Schwester. Du bist nach wie vor voller Energie, kannst kaum stillhalten und auch dein Mundwerk ist immer am Arbeiten, ob nun singend, erzählend oder rollenspielend. Du hast viel Empathie, spürst, wenn etwas nicht ok ist und kannst einem manchmal 10 Mal am Tag sagen, wie sehr Du mich oder Papa liebst. Mittlerweile hat aber auch das “blöde Mama” einen festen Platz in unserem Alltag gefunden. Du kannst auch mal richtig sauer werden, kreischst und stampfst dann. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass das etwas ist, was Du Dir im Kindergarten abgeguckt hast und es gar nicht so aus Dir kommt. Denn meistens möchtest Du alles richtig machen, kuscheln und bist unfassbar höflich. Zu Deinem Geburtstag hast Du Dich für jedes Geschenk bedankt, mehrfach. Und nachts fragst Du manchmal “Darf ich bitte mit Dir kuscheln, Mama?”

Dein neues Lebensjahr begann unter einem Schatten. Mein Vater – Dein Opa  – hatte kurz zuvor die Diagnose Krebs mit etwa einem Jahr Lebenserwartung bekommen. Ich kümmerte mich viel um ihn, und manchmal musstest Du mit ins Krankenhaus und hast auch mal nicht so schöne Dinge mitgekriegt. Im Mai starb Opa, wir setzten uns mit dem Thema sterben auseinander: Opa kam in den Himmel. Wie er denn da hin käme, mit dem Flugzeug? fragtest Du. Nein, er wurde von seinem Schutzengel abgeholt. Insgesamt warst Du nicht besonders angeschlagen, nur wenn ich sehr traurig war, wurdest Du es auch.

In der Krippe bereitete sich langsam alles auf den Abschied der Großen vor. Ich kriegte ein bisschen Herzweh, aus diesem schönen Nest, von diesen lieben Erzieherinnen weg zu müssen. Die waren mittlerweile schon etwas genervt von den größeren Kindern, die zeigten, dass sie reif für den Kindergarten waren. Du und Deine Freundin D. ganz vorne dabei, ihr liebtet Euch innig und konntet streiten wie die Großen. Ende Juli kam dann wirklich der Abschied, sehr schön gemacht: Am Ende wurdet ihr “rausgeworfen”, auf eine große Matte vor der Tür.

In den Sommerferien waren wir in Skandinavien unterwegs, durch Schweden nach Norwegen, wo wir erst Deine Tante A. besuchten und uns dann mit Tante N. in einem Ferienhaus am Nordfjord trafen. Die viele Autofahrerei hast Du super mitgemacht und der Urlaub mit soviel Familie hat Dir auch gut gefallen. Wandern ist nicht so ganz Deins, aber Du hast das Klettern entdeckt. Deine Tante A. hat Dich angeseilt und Du bist einige Meter die Steilwand hochgegangen. Wow.

Und dann kündigte sich auch für Dich langsam ein Großereignis an, von dem Deine Eltern schon länger wussten. Du würdest große Schwester werden. Noch war es sehr abstrakt für Dich, dass da in Mamas Bauch ein Baby heranwächst. Du wolltest auch unbedingt selbst ein Baby. Viele Gespräche führten wir darüber, was mit mir passiert, was mit Dir passiert und wie das wohl sein würde, wenn das Baby erst da ist. Ich hab mich sehr gefreut, dass Du Dich meistens auch auf das Baby gefreut hast und auch jetzt als große Schwester zuckersüß bist und ganz viel Kontakt zu Deiner kleinen Schwester suchst. Ganz stolz bist Du immer, wenn Du eine Weile auf sie aufpasst und sie dann nicht weint. Leider musst Du im Moment etwas zurückstecken, was Deine exklusive Mama-Zeit angeht, wenn die Kleine ein akutes Bedürfnis hat. Ich versuche, meine Zeit mit Dir ganz besonders zu genießen. Ich bin sehr gespannt, wie das mit Euch beiden weitergeht.

Seit dem Sommer bist Du nun ein Kindergarten-Mädchen. Die Eingewöhnung hat mal wieder super geklappt. Du bist gut in der Gruppe angekommen und gehst gerne hin. Vor ein paar Wochen hatte ich mein erstes Elterngespräch und auch da bestätigte Dein Erzieher M., dass Du ein gern gewählter Spielpartner bist. Aber so eine enge, besondere Freundschaft wie mit D. hat sich noch nicht ergeben. Vor Ostern hast Du mit Deiner Fuchs-Gruppe das erste Mal im Kindergarten übernachtet, ohne Probleme und stolz wie Oskar. Auch bei Deiner Großtante A., bei der Du regelmäßig bist, hast Du bereits zwei Mal übernachtet, auch im Hinblick auf die anstehende Geburt.

Nun haben wir mit Deiner kleinen Schwester wieder von vorne angefangen und ich muss ganz oft an unsere erste Zeit zusammen denken, weil Ihr beide Euch so ähnlich seid. Es ist wirklich toll, wie in den letzten 4 Jahren aus dem Baby ein richtiger Mensch, eine ganz eigene Persönlichkeit geworden ist. Besonders abends, wenn Du schon schläfst, schaue ich dich an und staune immer wieder. Ich sehe dieses Wunder, das wundervolle Kind, diesen tollen Menschen, der aus mir rausgekommen ist und mir quillt das Herz über vor Liebe.

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