9 Monate kleines Mädchen

— den Eintrag zum 8. Monatsbericht habe ich bloss angefangen, das Fragment steht hier am Anfang. —

Ich bin diesen Monat extrem überfällig. Mich in Ruhe hinzusetzen und nachdenken und aufschreiben fällt mir schwer. Du bist nun so richtig mobil geworden. Krabbelst schnell durch die Wohnung, ziehst Dich hoch und beginnst erste Kletterversuche zu machen. Meistens bist Du ein zufriedenes Baby. Du liebst Action so wie deine Schwester, immer gucken, immer mitdrin ist dir am liebsten. Aber Du brauchst auch noch deine Auszeiten an Schlaf und Stillen. Die funktionieren allerdings nur bei Ruhe, also vor allem ohne Deine Schwester. Das findet sie meist ziemlich doof.

Schön ist auch deine geistige Weiterentwicklung. Du kennst nun alle, die zu uns gehören. Man kann auch schon richtig Quatsch mit dir machen. Du spielst „Verstecken“ mit uns. Erst verstecke ich mich hinter einem Tuch und Du lachst laut auf, wenn Du mich wieder siehst. Und dann nimmst Du das Tuch und versteckst Dich. Und lachst auch da wieder laut, wenn Du mich oder einen anderen siehst. Neben dem Hochziehen ist deine Lieblingsbeschäftigung Belutschen. Metallische Teile, L.s Playmobil.

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20161122_140729Tja, weiter bin ich für den 8. Monatsbericht nicht gekommen und nun bist Du heute 9 Monate alt. Also, ein neuer Versuch, wenigstens den Status heute mal festzuhalten. Insgesamt hat sich Deine Entwicklung verlangsamt, zumindest die sichtbaren, krassen Sprünge. Du verbesserst kontinuierlich Deinen Stand und läufst auch schon ein paar Meter an Möbeln oder der Badewanne entlang. So zum Ende des 7.Monat konntest Du Dich in eine kniende Position aufrichten. Das hilft Dir, Dich noch besser hochzuziehen und auch im Kontakt mit Deiner Schwester. Neu in den letzten Tagen ist, dass Du aus der Position nun ein Bein aufstellst, als ob Du Dich aufrichten willst zum Aufstehen. Und Du hast das Klettern entdeckt. Erst bist Du die Stufe an der Fensterbank hoch gekommen, nun schaffst Du es die zwei Stufen der Trittleiter hoch. Nur runter bist Du noch nicht besonders sicher. Auch Dein Krabbeln ist viel schneller und sicherer geworden. Du nutzt es vor allem, um uns hinterher zu krabbeln, wenn wir einfach den Raum verlassen. Wenn Du müde oder hungrig bist, gerne auch mit empörtem Gejammer. Wenn Du etwas spannendes gefunden hast, hälst Du es aber auch eine Weile alleine im Zimmer aus, auch wenn offensichtlich niemand da ist.

Belutschen ist immer noch Deine Lieblingsbeschäftigung. Gerne Papier und metallische Dinge. Lottes Zauberstab findest Du auch super. Einen kleinen Juchzer entlockt Dir, in greifbarerer Nähe zu meinem Handy zu sein. Nach dem Wasserschaden durch L.s Belutschen bin ich da jedoch sehr konsequent.

Toben kann man mit Dir mittlerweile auch. Du liebst es, auf dem Bett zu kugeln, in die Luft gehoben zu werden und den Bauch gemiezelt zu bekommen. Das Paradies für Dich, ist es in L. Zimmer zu sein und zu spielen. Mit Lotte macht ihr manchmal richtig Quatsch. Überhaupt, Lotte himmelst Du an. Und sie findet dich auch ziemlich gut. Außer du belegst Mama mal wieder über Gebühr.

Essen ist schwierig. Langsam hattest Du begonnen, Dich für Brei zu interessieren, also für mehr als 5 Löffel. Aber das hat leider dazu geführt, dass Deine Verdauung sehr schwer wurde und Du Schmerzen beim Windel voll machen hattest. Du hast dann auch ziemlich konsequent angefangen, den Brei nur in sehr begrenzten Mengen zu Dir zu nehmen. In den letzten Tagen sind wir nun wieder bei fast voll Stillen. Entdeckt hast Du auch, dass man den Brei durch Brummen/Prusten schön verteilen kann. Ich frage mich noch, ob das einfach eine neue motorische Errungenschaft ist, die Du unbedingt ausprobieren möchtest oder ob das eine neue Art ist, auszudrücken, dass das Essen nicht so Deins ist. Mundmotorik scheint gerade ein Bereich zu sein, wo Du Dich entwickelst, denn neben dem Prusten kannst Du seit ein paar Tagen auch Schnalzen. Jedenfalls führt das viele Stillen dazu, glaube ich jedenfalls, dass Du nicht so richtig gut satt wirst. Nachts haben wir wieder einen 2 Stunden Rhythmus. Glaube ich, ich schaue nicht mehr auf die Uhr, denn wenigstens sind die Unterbrechungen kurz und wir sind zum Stillen im Liegen übergegangen.

Wir haben unserer erste größere reise mit der Bahn hinter uns. Wir waren zu einem beruflichen Treffen in Dresden. Das hat alles sehr prima geklappt, selbst Schlafen und Stillen haben wir – manchmal unter widrigen Umständen – gut hingekriegt. Dann wurde halt mal aufm Klo vom Italiener gestillt. Anstrengend wars es trotzdem, permanent die Bedürfnisse zu antizipieren und zu schauen, wie sie in den Ablauf passen. Aber du warst wie immer ein freundliches Baby, das sich gut beschäftigen kann, so lang es immer dabei ist und Trubel ist. Sogar das Schlafen in Räumen mit anderen Menschen hat gut geklappt.

Insgesamt bist ein großes Baby, aber bei weitem nicht so speckig wie Deine große Schwester. Du hast braune Augen und Deine Haare sind dunkel geblieben, auch wenn es noch nicht besonders lange sind. Glatzi-Babys liegen wohl bei uns in der Familie. Du sabberst immer mal wieder sehr viel, aber wir warten immer noch auf Deinen ersten Zahn.

Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie das war vor mehr als 9 Monaten, als Du noch nicht da warst. Und es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern. Du bist so präsent, aber auch so freundlich und fröhlich, ähnlich wie Deine Schwester in manchen Dingen, aber doch besonders und eigen in so vielen anderen. Ich finde es so spannend, Dir beim Menschwerden zuzuschauen und Dich zu begleiten.