Beitragsfreie Kita? Nein danke.

BücherburgLiebe SPD*,

ich finde es super, dass Du Dir endlich mal die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – vor allem für Frauen – auf die Fahnen geschrieben hast. Die beitragsfreie Kita ist da ein tolles Wahlkampf-Thema, einfach und griffig und für jedermann und -frau verständlich. Und so falsch.

Denn die Gebühren für den Kindergarten sind nicht (nur) das Problem. Ich habe das Glück, Kinder in den Zeitraum mit Rechtsanspruch (danke dafür!) auf eine Kindergartenbetreuung geboren zu haben. Ich habe mir (fast) nie Sorgen machen müssen, dass meine Kinder nicht betreut werden. Dass ich dafür Geld bezahle – das bei weitem nicht die realen Kosten abdeckt – war immer selbstverständlich. Natürlich habe ich dabei auch viel Glück gehabt, insbesondere nach dem Umzug, gleich einen schönen Krippenplatz zu finden. Und es ist Wahnsinn, was in den letzten Jahren an Kinderbetreuung geschaffen wurde, eben auch weil es den Rechtsanspruch gibt. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass die nächste Priorität 1. die Qualität und 2. die Verlässlichkeit der Betreuung auch über den Kindergarten hinaus sein muss. Zu 1.: Unser Kindergarten sucht seit einem Jahr neue Erzieher und Erzieherinnen, unsere Gruppe hat ständig Aushilfskräfte, in anderen gab es teilweise Notbetreuung, weil Krankheit sofort zum Zusammenbruch führte. Erzieher*innen werden immer noch viel zu schlecht bezahlt, was sicherlich auch die Attraktivität des Berufes schmälert – insbesondere für Männer. Wir haben das Glück eines männlichen Erziehers und ich finde es toll, dass meine Tochter erleben darf, dass es selbstständlich ist, dass auch Männer in diesem Beruf arbeiten.

Und zum Thema Gerechtigkeit: Eltern mit geringem Einkommen bezahlen heute durch Staffelungen schon wenig oder gar kein Geld für den Kindergarten und ich finde das richtig. Von mir aus kann das bis zu einem gewissen Einkommen auch gar nichts sein, aber eine generelle Betragsfreiheit finde ich derzeit ebenso ungerecht, denn Familien wie unsere können durchaus ihren Teil dazu beitragen. Klar, ein paar Hundert Euro würden unserer Haushaltskasse auch besser stehen, aber sie machen uns nicht arm. Viel lieber sehe ich, dass das Geld genutzt wird, die Qualität der Betreuung zu verbessern und um zum 2. Punkt von oben zu kommen – mir meine Angst vor der Einschulung der Großen zu nehmen. Denn nächstes Jahr kommt sie in die Grundschule: verläßlich bis um 13 Uhr. So machen wir, falls wir nicht den Jackpot im Hort-Losspiel ziehen, einen krassen Rückschritt von Ganztagsbetreuung auf Halbtagsbetreuung. Wenn ich ganz viel Pech habe, muss ich** meinen Job aufgeben oder eine Nanny anstellen. Die avisierte Grundschule (die ja Pflicht ist, außer ich entscheide mich für eine private) wird 2020/21 Ganztagsgrundschule. Das macht eine Betreuungslücke von 2 Jahren. Alle Betreuungs-Optionen sind wohl deutlich teurer als die paar Hundert Euro Beitrag.

Also, liebe SPD, bevor die Qualität nicht verbessert, der Mangel flächendeckend behoben, die Angestellten nicht besser bezahlt und die Nachmittagsbetreuung in der Grundschule nicht gesichert ist, ist die beitragsfreie Kita nur ein Geschenk für die besserverdienenden  Familien.

*Ich bin seit 2005 SPD-Mitglied.

**Ich könnte auch noch ausführlich darauf eingehen, warum das alles nur mich betrifft und nicht meinen Mann, aber das würde den Rahmen sprengen. Auch wenn ich es gerne anders hätte, ist mein Mann die meiste Zeit Haupternährer dieser Familie.

Augenblick, verweile doch…

20170221_112458Nein, ich bin nicht sentimental. Ich liebe es, meinen Kindern bei der Entwicklung zuzusehen, ihre eigene Freude an jedem Schritt weiter in diese Welt, in den Menschen hinein, der sie sein werden. Ich möchte auch nicht immer nur Babys hier haben, nein ich bin ganz furchtbar gespannt auf diese großen Kinder.

Aber manchmal, da liege ich abends neben so einem schlafenden Baby. Das liegt da, wie gemalt, ist erschöpft von einem neuen Tag voller Abenteuer und Entdeckungen. Und da möchte ich ganz kurz die Zeit anhalten und diesen Augenblick abspeichern für immer. Dieses überquellende Gefühl der Liebe und Fürsorge, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, dieses Gefühl des kleinen, kuschligen Babys in meinem Arm möchte ich konservieren und hervorholen können, wenn mir streitende und heulende Kinder mal die Nerven strapazieren werden.

1 Jahr

dsc_7581.jpgLiebste kleine Tochter, ich schreibe das hier 2 Tage vor Deinem Geburtstag, vor Deinem 1. Geburtstag. Wow, das ging schnell rum, dieses Jahr. Ich schaue auf diese Bilder von Dir kurz nach der Geburt, ich versuche mir vorzustellen, wie klein Du warst. Man, das ist weit weg und Dein jetziges Ich so präsent. Du hast unsere Familie vollständig gemacht, Du bist das kleinegroße I-Tüpfelchen. Alle hast Du uns mit Deiner fröhlichen Art, Deinem Lachen – mal offen, mal verschmitzt, verzaubert. Du bist ausgeglichen und doch so hartnäckig in Deinen Entwicklungsschritten. Du fremdelst fast gar nicht und hast für jeden ein Lächeln übrig. Du schaust – fast schon seit Deiner Geburt – neugierig in die Welt, willst lernen, verstehen, nachmachen. Dein großes Vorbild ist Deine große Schwester. Hast Du in der ersten Lebenshälfte noch Deine ruhige Zeit am Vormittag genossen, vermisst Du sie mittlerweile, wenn sie mal einen Nachmittag weg ist. Aber auch L. ist fast immer fürsorglich um Dich bemüht, guckt, was Du gerade wieder anstellst und schleppt Dich in der Gegend rum. Manchmal habe ich ein bisschen Angst um Dich, aber dann lachst Du nur lauter.

Also, nun mal zu den „harten Fakten“ hier: Du läufst. Also, schon so längere Strecken, aber oft noch etwas torkelnd wie betrunken oder auf See, gerade wenn Du Schuhe anhast. Ja, die ersten Schuhe hat Dir Deine Oma auch schon gekauft, diesmal durften es sogar lilane sein, ich habe nicht auf „bunt“ oder „neutral“ bestanden. Für einen Jungen halten Dich eh die meisten, wenn Du nicht gerade wie „buntes Lutschbonbon“ angezogen bist. Die wenigen Haare sind da eben irreführend. Aber immerhin hast Du nun auch ein paar Zähne: Die ersten beiden oberen Schneidezähne habe ich kurz vor unserem Urlaub entdeckt und war ganz irritiert. Mittlerweile hat sich noch ein Eckchen von einem unteren Schneidezahn dazugesellt. Damit ist auch das Essen besser geworden. Von gut sind wir zwar immer noch weit entfernt, aber zumindest 2 halbe Portionen kriegt man am Tag in Dich hinein. Und gesnackt wird auch ganz gut. Ich glaube der wirkliche Durchbruch wird mit dem Familientisch und dem Selberessen kommen. Insgesamt scheinst Du aber auch weniger zu Essen oder zumindest weniger anzusetzen als Deine Schwester. Das hat auch die U6 bestätigt, Dein Gewicht ist auf jeden Fall unterdurchschnittlich. Du hast nicht Mal die 9 kg erreicht, die für das Mitnehmen auf dem Rad nötig wären. Aber die Ärtzin beruhigt mich, denn Du bist einfach zart und viele Babys nehmen in der 2. Hälfte des 1. Jahres nicht so gut zu, weil der Übergang zum Familientisch und die zunehmende Mobilität anstehen.

Auch sprachlich tut sich einiges bei Dir. Manchmal schimpfst Du richtig in Deiner Lautsprache. Und ich meine auch schon „Nanane“ für Banane rausgehört zu haben. Aber so richtig eindeutig ist seit gestern dein „Hallllo“ mit einer rausgestreckten Zunge beim L. Bevorzugt wenn Du Dir ein Telefon an das Ohr bzw. dahinter hälst – zu niedlich. Mamamam gilt immer noch eher als „gibt mir die Brust“, denn als Mama.

Der letzte Monat hat noch so einige aufregende Tage für Dich bereitgehalten: Wir sind zusammen in den Urlaub geflogen: Lanzarote. Ach, war das schön im Frühling, Sonne, Pool, Palmen. Und all inclusive, also mal um nix kümmern. Für Dich war das glaube ich nicht so erholsam, Du musstest Dich ganz schön unserem Rhythmus unterordnen. Gerade abends ist es oft spät geworden. Das Fliegen hast Du auch ziemlich gut mitgemacht, wobei die Zeit in der wir angeschnallt ruhig sitzen mussten, die anstrengendste war.

Heute, an Deinem Geburtstag zeigst Du uns, dass Du in den letzten Tagen einen Sprung gemacht haben musst. Körperlich und geistig. Du verstehst viel mehr, und fängst an, Dich verständlich zu machen. Du pustest ganz furchtbar niedlich als wir die Kerze auspusten. Du zeigst was Du willst, z.B. setzt Du Dich in Deinen Puppenwagen und signalisierst, dass Dich einer schieben soll – und auch was nicht. Und Du kletterst nun endlich auf Sessel und Sofa, wobei Du Dich freust wie eine Schneekönigin. Immer wieder hoch und runter, Mama guck doch! #meinenerven

Also, kleiner Sonnenschein: Schön, dass Du da bist. Ein Leben ohne Dich ist unvorstellbar geworden, wir lieben Dich sehr.

Vom Stillen

20161021_113806Der Pragmatismus sagt:
So ist es gedacht, es ist einfach und praktisch. Milch ist jederzeit verfügbar, sie ist auf die Bedürfnisse meines Kindes abgestimmt. Sie kommt in der passenden Menge und ist wohltemperiert. Ich brauche nichts einzukaufen, nichts sterilisieren oder unter Hungergebrüll abkühlen.
Die Liebe sagt:
Stillen ist mehr als nur Essen und Trinken. Es ist ein besonderes Band, das wir knüpfen. Vertrauen, Sicherheit, Liebe. Diese Nähe ist so schön, extra Kuscheleinheiten für alle. Mein Leib versorgt deinen. Ich halte dich, während du isst, während du Trost suchst, während du einschläfst.
Die Freiheit sagt:
Warum immer ich? Ich bin alleine dafür verantwortlich, dass du satt wirst und meist auch, dass du schläfst. Wäre es nicht schön, wenn der Papa dich auch mal füttern könnte? Ich würde gerne mal wieder ausschlafen oder ausgehen oder ein Glas oder 2 trinken.
Das ist meine persönliche Meinung und ich urteile über niemanden, der sein Baby anders ernährt.
Meine beiden haben immer die Flasche (und den Nuckel) verweigert. 

Kinder, Kinder

kinderDie Große schwitzt wie Papa. Die Kleine ist ein Kaltfuß wie Mama. Die Kleine ist kitzelig wie Papa. Die Große ist mutig wie Mama. Die Kleine hat empfindliche Augen wie Mama. Die Große hat blaue Augen, weder wie Mama noch wie Papa, dafür Oma und Opa und Tante. Die Kleine hat dunkle Augen wie Papa. Die Große plappert wie Opa. Die Kleine schläft wie ihre Tante, ausgiebig. Sie sehen sich ähnlich, und dann doch wieder nicht. Jeder ein Mensch für sich, mit einem besonderen Platz in meinem Herz.

Manchmal bin ich einfach so erstaunt über diese Kinder, die einfach so zu uns kommen. Diese Kinder, die wir gemacht haben, ohne (große) Anstrengung und jetzt einfach da sind. So sind, wie sie sind und nicht anders. Neue Menschen. Wenn man genau drüber nachdenkt ist das total irre.

4 Monate kleines Mädchen

pilzWohl jeden Monatsbericht muss man mit der Feststellung beginnen, dass ja schon wieder ein Monat vorbei ist. 4 Monate bist nun bei uns – Du kleiner Sonnenschein. Du bist so freundlich, lächelst immer zurück, fremdelst bisher praktisch nicht. Selbst wenn Du schon sehr müde bist, kann man Dir mit ein paar lieben Wiorten noch Dein süßes, zahnloses Babylachen entlocken. Überhaupt bist Du gerade so entspannt, dass ich fast Angst habe, es auszusprechen. Du weinst oder brüllst fast gar nicht mehr, außer man quält Dich zu lange in Autositzen oder im Hänger. Da habe ich sogar großes Verständnis für und mein Mamaherz weint ein bisschen mit.

Du hast diesen Monat deine erste große Reise nach Berlin mitgemacht. Das war eine eher anstrengende Veranstaltung, aber eine langjährige Freundin feierte ihre Hochzeit. Autofahren ist für Dich eigentlich ok, aber nach 5 Stunden (inkl. Pause) hattest Du die Nase voll. Und auch die Hochzeit war eher anstrengend für uns alle. Deine Schwester hat bis um 23 Uhr durchgehalten. Da bist Du dann wieder aufgewacht und hast bis zur Abfahrt um kurz nach 1 auch nicht wieder geschlafen. Unsere Familienbesuche, die wir in den Sommerferien unternehmen wollten haben wir nun erstmal wieder abgesagt, das wird ja bloß Stress.

Ansonsten hast Du in diesem Monat die Mobilität entdeckt. Zwar ist sie noch sehr zaghaft, aber du rotierst und robbst. Ein paar Mal hast Du Dich vom Bauch auf den Rücken gedreht, da war ich ganz überrascht als ich Dich plötzlich so sah. Das scheint aber noch mehr Zufall als Methode zu sein. Aber an dem Drehen auf den Bauch arbeitest Du auch intensiv. Das Greifen entwickelst Du immer weiter. Im Moment ist der O-Ball hoch im Kurs und wird ausgiebig belutscht. Wenn Du auf dem Bauch liegst, hast Du so ein Kuschelbuch, dass Du ganz spannend findest. Überhaupt ist Dein Interesse für Deine Umgebung ganz groß. Bei der Rückbildung heute hast Du Dir alles ganz genau angeschaut, und Deine große Schwester ist sowieso das beste Entertainment.

Dein Schlaf ist sehr unreglmäßig vor allem nachmittags, aber so in der Summe noch ziemlich berechenbar. Schläfst Du tags viel, haben wir oft keinen Feierabend und umgekehrt. Wir stillen nachts so 1-2 mal, Ausnahmen gibt’s, aber eher selten. Manchmal schläfst Du abends im Bett mit Schlafsack auch ganz alleine ein, was ich nach der Erfahrung mit der Großen sehr faszinierend finde. Ansonsten gibt es gar nicht so viel zu berichten, denn Du bist ein sehr zufriedenes Kind. Ich kann Dich auf die Matte von Deinem Spielbogen legen und Du beschäftigst Dich. Es muss schon jemand im Raum sein, aber permanenter Körperkontakt, wie ich ihn von der Großen in der Erinnerung habe, brauchst Du nicht. Du machst unser Nachmittagsprogramm recht ausgeglichen mit, nur das Trinken unterwegs klappt nicht so gut. Aber das macht Dir wenig, das holen wir dann später nach. In der Trage schläfst Du nach ein paar Kniebeugen meinerseits auch recht schnell, selbst bei Trubel drumherum.

Meine kleine Maus, ein Leben ohne Dich ist mittlerweile nicht mehr vorstellbar. Du machst es uns sehr einfach uns als Zweifacheltern einzuleben. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, einfach weil 2 Kinder mehr Aufmerksamkeit brauchen, will um nichts in der Welt tauschen.

#Pinkgalore – ein Prinzessinnengeburtstag

Nichts beibt einem erspart. Das große Mädchen wünschte sich einen Prinzessinnengeburtstag. Und weil sie in den Ferien Geburtstag hatte, gleich zwei Mal. Es folgt eine Schlacht aus Buttercreme und Fondant.

Blaubeer-Muffins mit Buttercreme-Herzen und Kronen-Wimpeln.

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Meine erste Fondant-Torte. Grundlage ist ein Kasimir und Frippe Kuchen, bestrichen mit Buttercreme. Die Verzierung ist aus eingefärbtem Marzipan. kuchen23

Zum Kindergeburtstagsfest gab es auch noch eine Fondant-Torte. Diesmal nahm ich gekaufte Tortenböden und wir machten eine Buttercreme für die Füllung. Dieses Mal hab ich den Fondant auch verkackt. Ich hab ihn einfach nicht dünn ausrollen können, hätte sicherlich mehr gebraucht und so ist er an einigen Stellen gerissen. Ich habe das mit der Deko etwas kaschiert, aber perfekt ist was anderes.

torte

Für diese einfachen Schoko-Muffins mit Glasur habe ich Kronen-Deko aus Fondant ausgestochen und verziert. Muffins

Spontan habe ich auch noch ein paar Ülätzchen gebacken, da die meist besser ankommen als Torte und zum Teil auch Muffins. Und so war es dann auch: Während von den Muffins die Hälfte und von der Torte ein Viertel (trotz anwesender Eltern) übrig waren, waren die Plätzchen schon nach einer Stunde alle. Es sind simpelste Ausstechplätzchen mit Zuckerguss-Deko.

plätzchen

Als kleines Bespaßungprogramm gab es für die kleinen Gäste noch Kronen-Basteln: Ich hatte Aufkleber und Glitzersteine gekauft. Die wurden auf Kronen aus goldenem (dickerem) Geschenkpapier geklebt. basteln

Anschließend wurden die Kronen mit Gummiband am Kopf befestigt.

kronen

Und diese hübsche Schmetterlings-Girlande habe ich bei Hema gekauft.

girlande

Das war ein schöner Geburtstag. Aber ich bin auch froh, dass der nächste Kindergeburtstag erst in 10 Monaten ansteht. Bis dahin lass ich auch die Finger von dem Fondant-Zeug.

klein, kleiner, am kleinsten

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Liebe Bekleidungsindustrie, habt ihr eigentlich einen Knall?

Die einseitige, gegenderte Farbgebung regt mich ja schon seit mehr als 4 Jahren auf. Als ob es keine schönen Farben jenseits von fifty shades of pink and blue gäbe. Oder habe ich neue Gesetzgebung verpasst, die geschlechtskonform farbige Kleidung vorschreibt? Das war jedenfalls einer der wesentlichen Gründe, mich selbst an die Nähmaschine zu setzen. Neben den gesellschaftlichen Aspekten (zum Beispiel hier) finde ich rosa und blau auch aus ästhetischen Gründen extrem beschränkt.*

Diesen Text hab ich aber eigentlich angefangen, um mich mal ausführlich über diese merkwürdige Größenpolitik bei Kinderkleidung zu beschweren. Und ja, ich hab große und schwere Kinder, aber alle im Normbereich. Wie kann es da sein, dass ich meiner 6 Wochen alten Tochter, die noch keine 60cm gross ist, einen 68er Strampler (siehe Bild) anziehe. Der am Po schon ein bissl kneift? Da steht drin “6-9 Monate”. Ich fühle mich etwas verar*t. Ich habe bis auf einen Body alle 56er nach 2 Wochen weggeräumt und bin gerade dabei viele 62er auszusortieren. Und das gilt nicht nur für die Kleinen, das geht immer so weiter. Das große Kind, bei der U8 vor wenigen Wochen 104 cm gemessen, trägt bereits zu kleine Strumpfhosen in 110/116. Die Kinder in der Ottobre, die 116 tragen sind 6 Jahre alt. Meine ist 3 (gewesen).20160409_182947
Oder hier ein Kleid/Pulli (??) in 122! Was soll das? Irreführung?  Unfähigkeit zu gradieren? Ich verstehe es nicht.

Ein bisschen googeln zeigt, dass es wohl keine verbindlichen Normen gibt. Ok, aber gelegentlich messen wäre schon nett, damit das ganze nicht allzu absurd wird.

Als Serviceteil hier mal meine Erfahrung, in Ergänzung zu dieser Auflistung, wie die Größen so bei unterschiedlichen Marken ausfallen:

H&M – meist groß, aber ich hab auch schon Bodies der gleichen Größe mit 2-3cm Unterschied in der Hand gehabt.

C&A – mit den Marken Babyclub und Palomino, fällt immer kleiner aus, mindestens 1 Größe.

Topolino (Ernstings Family) – eher kleiner und vor allem sehr schmal

Kanz – meistens größengerecht, tendenziell kleiner

Steiff – größengerecht

Sanetta – klein und schmal

TCM (Tchibo) – größengerecht

Sigikid – größengerecht

Alana (DM)  – eher kleiner

Pusblu (DM) – eher kleiner, aber z.T. sehr unterschiedlich

Hema – eher größer

Vertbauted – eher kleiner, vor allem kurze Ärmel

Petit Bateaux– eher kleiner

 

Gerne weitere Ergänzungen in den Kommentaren.

 

* Da reg ich mich auf, und beide Mädels tragen hier rosa und pink. Das gibt es hier auch, vor allem geschenkt von den Omas und Großtanten. Aber es regt mich insbesondere die Auschließlichkeit dieser Farbgebung, inkl. der Betonung des “das sei nur so natürlich” auf. 

Anna & Elsa

DSC_4958Ich bin kein großer  Fan von Disney – mehr. Die Filme und Serien, die vielen Figuren haben meine eigene Kindheit geprägt: Mickey Mouse Hefte, das lustige Taschenbuch, Donald Duck und seine Neffen waren regelmäßige Begleiter, später dann auch die Filme: der König der Löwen, Aladdin, die Schöne und das Biest, Arielle… Mit der zunehmenden Digitalisierung wurden die Figuren irgendwie platter und auch die Geschichten eindimensionaler. Nur die Kooperation mit Pixar rettete es ein bisschen. 2006 (uh, 10 Jahre fast) hatte ich dann so eine Real Life Erfahrung mit Disney: einen Team Building Ausflug während eines Praktikums in den USA in Orlando. Ich werde wohl das “have a magical day” am Ende jeder Nachfrage, wann denn nun endlich unsere Zimmer zu beziehen sind, nie vergessen. Der Tag war nämlich überhaupt nicht magical gewesen. Insgesamt ein erhellender Einblick in die etwas künstliche amerikanische Kultur.

Von Frozen hörte und las ich nur, ich sag Fasching die Kleider und hatte alle meine Vorteile bestätigt: billiger Prinzessinnen-Schmu. Ein paar andere Meinungen sickerten durchs Netz zu mir. Der sei ja gar nicht so sexistisch und ausserdem wäre Anna die wahre Heldin, auch wenn alle sich als Elsa verkleiden wollen. Und dann kam das Kind in den Kindergarten und seit Fasching sind Anna und Elsa hier großes Thema. Aber irgendwie nur so secondhand: Keiner von uns beiden wusste genau, worum es geht. Um meine Neugier endlich zu befriedigen und damit das Kind endlich mal richtig mitreden kann, gab es die Eiskönigin nun vom Osterhasen.

Insgesamt bin ich positiv überrascht: Auch wenn die Figuren äußerlich sehr klischeehaft sind, Prinzessinnen mit schönen Kleidern und Wespentaille, starke Männer und alle glauben, es müsse die Liebe zu einem Mann sein, die die Erlösung bringt, ist die Botschaft am Ende eine andere. Es ist die Schwesternliebe, die gewinnt. Dieses feste Band ist unzerstörbar, ist eben die ganz besondere Beziehung, die am Ende sogar über der vermeintlich “wahren Liebe” steht. Außerdem besteht der Film den Bechedel-Test, was man von vielen “Erwachsenen-Filmen” nicht sagen kann. Allerdings muss ich sagen, dass die gerade 4-Jährige doch ein bisschen überfordert war, mit der Handlung, aber auch mit der Länge. Ich musste immer wieder anhalten und ihre Fragen beantworten. Wir werden wohl noch eine Weile bei den eher kurzen Episoden von Shaun das Schaf, Conny und Laura bleiben. Für komplexere Filme haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Ich bin sehr gespannt, ob ihr dann die oben genannten Klassiker auch noch gefallen.

Vom Eingewöhnen.

Diesen Text habe ich im August geschrieben. Vor kurzem bin ich auf dieses tolle Blog gestossen, das gerade eine Serien zur Kooperation von (Klein-)Kindern veröffentlicht hat. Das passte irgendwie und ist überhaupt so erhellend und schön geschrieben. Danke. 

KindergartenmädchenWir sind ja nun echte Profis, was die Eingewöhnung des Kindes in Kindertagesanstalten angeht. Nun also die 3. in 2 Jahren. (Die erste mit 15 Monaten, die 2. umzugsbedingt mit 25 Monaten und nun der Übergang in den Kindergarten, weil wir einen Platz in einer „Nur-Krippe“ hatten). Da auch die beiden ersten Eingewöhnungen ziemlich gut geklappt hatten, machte ich mir fast keine Sorgen, dass das Kind auch diesmal schnell ankommen würde. Fast nicht – weil sie ja nun doch älter ist, mehr erinnert, die Bindung an die Erzieherinnen schon sehr stark war und überhaupt alles sehr toll in dieser Krippe. (Letzteres dann wohl eher meine eigene Trennungsangst…) Jedenfalls klappte alles ganz prima. Am Montag schickte sie mich nach einer knappen Stunde nach Hause und machte ein Riesen-Theater als ich sie um halb 1 schon wieder abholte. Sie verhandelte sich jeden Tag eine Stunde mehr und flippte trotzdem jeden Nachmittag aus, dass ich sie abholte. Puh.

Als sie am Mittwoch nach einem hässlichen Nachhauseweg voller Widerstand, Nölen, Forderungen, Neins und einem kurzen Ausflipper meinerseits zu Hause plötzlich total ruhig mit ihren Playmobil-Männchen spielte, ging mir ein Licht auf. Sie hat zwar einen großen Spaß im Kindergarten, aber es ist einfach wahnsinnig anstrengend. Sie ist unglaublich anpassungsfähig, empathisch und stellt sich auf neue Situationen ein. Sie sucht den Kontakt und lässt sich voll drauf ein. Aber das fordert eben einen Tribut. Dafür bin ich dann nachmittags das Ventil, der sichere Hafen, wo sie ausflippen kann. Wenn es nur das ist, kann ich damit leben.